Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Aktuelles

OV Uffenheim

Ein Blick hinter die Waben - ein Besuch beim Imker Frank Prehmus

Wie funktioniert eine nachhaltige Imkerei in der Praxis und wo liegen die Herausforderungen? Gemeinsam mit dem Nebenerwerbsimker Frank Prehmus, der bereits ca. 25 Jahre Erfahrung mitbringt, konnten wir einen spannenden Einblick in den Alltag eines Bienenvolkes gewinnen.

20.08.2026 OV Uffenheim
Ein Blick hinter die Waben - ein Besuch beim Imker Frank Prehmus

Wie funktioniert eine nachhaltige Imkerei in der Praxis und wo liegen die Herausforderungen? Gemeinsam mit dem Nebenerwerbsimker Frank Prehmus, der bereits ca. 25 Jahre Erfahrung mitbringt, konnten wir einen spannenden Einblick in den Alltag eines Bienenvolkes gewinnen.

Der Bienenstock als Superorganismus: Eine perfekt organisierte Gesellschaft

Die Honigbiene ist nicht nur ein fleißiges Insekt, sondern lebt in einem hochkomplexen Superorganismus – dem Bienenvolk. Dieses besteht aus drei klar differenzierten Kasten: Arbeiterinnen, Drohnen und der Bienenkönigin. Jede Kaste hat spezifische Aufgaben, die das Überleben des Volkes sichern.

Die Königin: Mutter und Zentrum des Volkes

Die Bienenkönigin ist das einzige fruchtbare Weibchen im Stock. Ihre Hauptaufgabe ist die Eiablage, wobei sie befruchtete Eier (für Arbeiterinnen und neue Königinnen) und unbefruchtete Eier (für Drohnen) legt. Die Entscheidung über die Kaste trifft nicht die Königin selbst, sondern die Arbeiterinnen, die durch die Form der Zellen den Entwicklungsweg bestimmen.

Schwärmen, Hochzeitsflug und genetische Vielfalt

Die natürliche Vermehrung der Honigbiene erfolgt durch Schwärmen. Aus einem Volk werden zwei. Bereits Wochen vorher beginnen die Arbeiterinnen damit, mehrere neue Königinnen heranzuziehen. Kurz bevor die erste junge Königin schlüpft, verlässt die alte Königin gemeinsam mit einem großen Teil der Flugbienen den Stock.

Eine junge, unbefruchtete Königin begibt sich, nachdem sie mögliche Konkurrentinnen beseitigt hat, zwischen dem 5. und 15. Tag nach dem Schlupf auf Hochzeitsflüge, bei denen sie sich mit mehreren Drohnen paart. Diese genetische Vielfalt stärkt die Widerstandsfähigkeit des Volkes. Die Drohnen sterben nach der Paarung, da ihre Genitalien abreißen. Die Königin kehrt in den Stock zurück und beginnt mit der Eiablage.

Interessant: Durch gezielte Zucht erreicht der Imker nicht nur leistungsstarke sondern auch sanftmütige Bienenvölker, welche ihm das Arbeiten ohne Schutzkleidung ermöglichen.

Handwerk und Technik im Bienenstock

Im Zentrum des Rundgangs stand der Aufbau der Beuten, die bei Frank Prehmus aus Holz gefertigt sind. Am Unterbau befindet sich ein belüfteter Gitterboden. Über das breite Flugloch erreichen die Arbeitsbienen das Innere. Das Flugloch wird bei Jungvölkern verkleinert um sie vor Räuberei, z.B. durch Wespen, zu schützen. Auf den Boden kommt eine Zarge mit herausnehmbaren Rähmchen. Die Bienen ziehen ihre Brut bei 35 °C auf. Oberhalb des Brutraums beginnt der Honigraum. Abgedeckt wird die Beute durch einen isolierten Deckel.

Die Mittelwänden geben den Bienen die Richtung des Wabenbaus vor, während Drohnenrahmen bewusst frei bleiben. 

Mit eigenen Wabenschmelzer verarbeitet er im Sommer bis zu 400 Honigrahmen pro Tag, um das Wachs zu gewinnen. Dieses dient entweder als Basis für neue Mittelwände oder wird für Kerzen genutzt. Das Ausschmelzen ist dabei essenziell, um dem Befall durch die Wachsmotte vorzubeugen.

Im Schleuderraum wurde der Prozess von der Entdeckelung mittels Heißluft bis zur Schleuder – mit einer Kapazität von bis zu 36 Waben gleichzeitig – anschaulich erklärt. Dabei wies er auch auf die Wichtigkeit von hygienischer Arbeitsweise und Dokumentation hin.

Die Herausforderungen: Klima und Schädlinge

Der Besuch machte deutlich, wie stark die Bienen von einer intakten Umwelt abhängen. Frank Prehmus berichtete von den Schwierigkeiten an extrem heißen Tagen. Bei Temperaturen über 37 Grad stellen die Bienen das Arbeiten ein. Die Königin legt keine Eier mehr. Alle Energie des Bienenvolkes wird für die Kühlung des Bienenstocks verwendet, damit der Wabenbau nicht schmilzt. Die Arbeiterinnen kühlen durch ventilieren mit ihren Flügeln. Dazu brauchen sie Wasser, um die Verdunstungskälte zu nutzen. Der Zugang zu Wasser ist für die Bienen überlebenswichtig an heißen Tagen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Bekämpfung der Varroamilbe. Dieser aus Asien stammende invasive Parasit befällt die Brut und kann zum Verlust des gesamten Volkes führen. Besonders im Herbst besteht die Gefahr einer Reinvasion, wenn Individuen aus zusammengebrochenen Völkern in gesunde Völker unterschlüpfen und so die Milben weitertragen.

Ökologie und wirtschaftliche Hürden

Die Bedeutung der Bienen für unsere Nahrungssicherheit wurde im Gespräch besonders deutlich. Da die Bestände an Hummeln und Wildbienen zurückgehen, übernehmen Honigbienen eine zentrale Rolle bei der Massenbestäubung - dank ihre Blütentreue.

Doch lokale Imker*innen stehen auch vor wirtschaftlichen Herausforderungen. So machen hohe Zertifizierungskosten zur Lebensmittelerzeugung den Verkauf in Supermärkten für kleine Betriebe oft unwirtschaftlich. 

Während dieses Jahr ein gutes Waldhonigjahr war, blickt der Imker besorgt auf die Zukunft: Da die Wälder zunehmend krank wirken, wird die Gewinnung von Waldhonig in den kommenden Jahren schwieriger werden.

Ausblick

Mit der Vorstellung der täglichen Utensilienkiste endete der Rundgang. Bei einer kleinen Verköstigung im Anschluss konnten die verschiedenen Honigsorten probiert und weitere Fragen beantwortet werden. 

Es bleibt die Erkenntnis: Imkerei ist weit mehr als Honig sammeln – es ist ein aktiver Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, der jedoch dringend Unterstützung durch einen besseren Naturschutz braucht.