OV Uffenheim
Exkursion: Wald im Wandel - Klimaveränderung und Jagd
Was bedeutet der Klimawandel für den Waldumbau bei uns? Und welche Konsequenzen zieht dieser vor allem auch für die Jagd nach sich? Diese Fragen beschäftigten die rund 30 Interessierten, die unserer Einladung zu einer Exkursion mit den beiden Experten Rudolf und Dr. Wolfgang Kornder ins Dutzenthal gefolgt sind.
Nach der Begrüßung ihres Co-Vorsitzenden Dr. Thomas Schmidt, des Kreisvorsitzenden Martin Weidt sowie ihrer Stadtratskollegin Ruth Halbritter, leitete Yvonne Hirsch das Thema „Wald im Wandel“ ein: „Wir, die heute hier stehen, wissen, der Klimawandel ist auch bei uns angekommen. In den letzten Jahrzehnten war das Thema Waldsterben mal mehr, mal weniger in der Öffentlichkeit präsent. Aktuell ist es leider viel zu ruhig um dieses enorm wichtige Thema!“
„Neben der Trockenheit ist vor allem auch der Wind eine große Gefahr, die der Klimawandel mit sich bringt, da er die Trockenheit verstärkt“, begann Rudi Kornder. „Windruhe ist daher wichtig und dafür brauchen wir Wald. Uns für weitere Klimaveränderungen zu wappnen, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die uns gesellschaftlich betrifft“, so Kornder weiter.
Ein Wasserschlösschen zeugt von der Zeit, als das geschichtsträchtige Gut Dutzenthal dem Adel gehörte. Ein kleines Einod, bei dem es nicht um Bewirtschaftung geht. 1997 gingen Schloss und Gut in eine Stiftung über. Das Gebiet umfasst neben 90 ha Wald und 8-9 ha Wasserfläche auch 150 ha Ackerland, welches ökologisch bewirtschaftet wird. Das Jagdrevier wurde Dr. Wolfgang Kornder 2009 von Hans Bibelrieder vermittelt, erster Chef des Nationalparkes Bayerischer Wald.
Zu Kornders ersten Handlungen zählte die Fütterung einzustellen. Je kleiner die Tierart, desto einfacher funktioniert die natürliche Regulation der Bestände. Für die Ökologische Jagd sind bei uns nur Reh- und Schwarzwild relevant. Natürlich gibt es auch mal Ausnahmesituationen, die ein individuelles Handeln erfordern. In der Regel bejagen die Kornders hier aber nur Rehe, damit der Wald wachsen kann, und Wildschweine, wegen der Landwirtschaft.
Auf den 250 ha werden im Jahr 40 bis 60 Rehe geschossen. Durch diese konsequente Bejagung haben auch die stark verbissgefährdeten Eichen eine Chance zu wachsen. Das ist wichtig, da Eichen aktuell die Bäume sind, die dem Klimawandel hier am besten strotzen können.
Extreme Tierschützer mögen dies anderes sehen, aber in diesem Fall gehört der Tod des Tieres zum Naturschutz. Für unser Überleben brauchen wir den Wald - wir brauchen stabile Mischwälder durch Naturverjüngung und dafür muss der Rehbestand im Rahmen gehalten werden. (Wald vor Wild)
Das Schwarzwild ist keine Gefahr für den Wald. Dieses wird daher auch nur auf den Ackerflächen geschossen, denn hier kann es großen Schaden für den Landwirt anrichten. „Die Wildschweine dürfen gerne lernen, dass es auf den Feldern gefährlich ist. Was sie im Wald machen, ist uns egal“, so Kornder.
Vielfalt fördert die Stabilität - je bunter, gemischter ein Wald, desto stabiler. „Dieser Wald besteht aus 27 Baumarten“, so Kornder. „Im 19. Jhd. hatten die Adligen bei ihren Versuchen viele verschiedene Baumarten eingebracht. Die Besonderheit hier ist aber, dass es in den letzten 80 Jahren im Grunde keine Forstwirtschaft, d.h. keine Pflanzungen mehr gab - alles Junge, was zu sehen ist, basiert auf Naturverjüngung.
An einem „Käferloch“ ist zu sehen, wie bereits nach fünf Jahren auf der ehemaligen Kahlfläche Birken, Eichen, Ahörner, Buchen und weitere Arten hochkommen - so entsteht ein natürlicher, von unten gewachsener, vielfältiger stabiler Wald - völlig ohne Schutzmaßnahmen. Genau so, wie es im Waldgesetzt verankert ist.
Der große Vorteil der Naturverjüngung: Die Bäume haben keine abgeschnittene Hauptwurzel im Vergleich zu Pflanzungen, sondern eine tiefe Verwurzelung und dadurch eine hohe Stabilität. Auch mit Trockenperioden kommen sie besser zurecht.
Diese Naturverjüngung bräuchte es überall. Es ist wichtig, dass der Boden bedeckt ist, damit dieser nicht so schnell austrocknet. Ein naturverjüngter Wald erinnert ein bisschen an einen Märchenwald.
Auch Totholz enthält das Revier natürlich - stehend wie liegend. Dies ist wichtig für die Biodiversität.
Kornder betont: „Eine der wenigen Stellschrauben, die wir haben, eine Veränderung herbeizuführen, ist: mehr Abschuss, mehr Verjüngung. Es kostet natürlich einen höheren Zeitaufwand und man muss sein Handwerk verstehen.“ Unterstützend wirken würden staatliche Hilfen, wie z.B. die trophäenorientierte Jagdzeit abzuschaffen. Auch der beschränkte Einsatz von Nachtsichtgeräte bei der Rehjagd würde den Jägern viel helfen, wie er übrigens für Wildschweine erlaubt ist.
Eine Herausforderung sei tatsächlich auch die Wildvermarktung. Dies käme durch das mangelnde Bewusstsein, dass es sich bei Wild um das beste Fleisch auf dem Markt handelt. Die Tiere sind frei und natürlich aufgewachsen; der Beschuss ist langfristig gesehen wichtig für den Erhalt der Menschheit.
„Auch sei eine Monokultur natürlich leichter zu bewirtschaften, aber wenn am Ende alles zusammenbricht, hat man dort gar nichts mehr“, so Kornder weiter.
Wirtschaftlich genutzt werden hier zusammengebrochene Fichten und Kiefern. Wenn die Stiftung Geld braucht, werden auch mal ein paar Eichen entnommen. Passend dazu geht es am Ende der Waldführung noch in einen Bereich, in dem hektarweise 150 bis 200 Jahre alte Eichen stehen - ohne Eingriff bleibt dieser Eichenwald ein Eichenwald.
Wie kommen die Kornders zu ihrem Wissen? Beide engagieren sich seit vielen Jahren im Ökologischen Jagdverband. Dr. Wolfgang Kornder ist erster Vorsitzender im Bundesvorstand und Ehrenvorsitzender des Bayerischen Landesverbandes. Rudolf Kornder hat während seiner langen Tätigkeit als Förster in Bayrischzell bei der Schutzwaldssanierung mitgewirkt und bewiesen, der Umbau des Walds hin zu stabilen Mischwäldern ist machbar. Er hat das dortige Revier gut auf den Klimawandel vorbereitet, wie einem Zeitungsbericht anlässlich seines Abschieds zu entnehmen ist. Jetzt bringt er sein Wissen und seine Erfahrung voll in unseren Landkreis ein. Er betont mehrmals: „Der Wald ist unsere Lebensgrundlage! Dies sollte als unser grünes Kernthema auch in der Öffentlichkeit wieder stärken in den Fokus geraten!“
Und was kann unser aller Beitrag sein den Wald in seinem Wandel zu unterstützen? - Ein gutes Bewusstsein entwickeln und häufiger auch mal Wild auf den Speiseplan setzen.